|
Eelke
Die Abenteuer eines jungen Friesenhengstes
(Teil 1)
Nun, am besten ist, ich fange von vorne an:
Vor ca. zwei Jahren kam mein neues Herrchen bei mir zuhause in den Niederlanden an. Ich wusste natürlich nicht, dass er mein neues Herrchen werden würde, das habe ich erst später mitbekommen. Damals hatte ich natürlich noch keine Ahnung, dass dieser Mensch, der noch dazu in einer für mich fremden Sprache sprach, mein Leben entscheidend verändern sollte.
Zusammen mit meinem Stallgenossen (einem Hearke - Sohn) sah ich verwundert dem Treiben auf der Stallgasse zu. Zunächst gingen meine damaligen Besitzer (Fam. Bout) mit diesen Unbekannten von Box zu Box. Sie besahen meine Großmutter, meine Mutter und noch ein paar fernere Verwandte von mir. Irgendwann kamen sie dann endlich an meiner Box vorbei. Ich war schon schrecklich gespannt, denn ich war schon immer sehr neugierig gewesen. Das hat sich bis heute auch nicht geändert. Mein heutiges Herrchen meint inzwischen nur, damals wäre ich mit meiner Neugier noch etwas zurückhaltender gewesen.
Kein Wunder, damals war ich gerade mal zwei Jahre alt und noch ein Hengstchen. Heute bin ich schon 4 ½ Jahre und ein richtig großer Friesenhengst, mit einem Mordswiehern, einer schúnen Mähne und einem durchtrainierten Körper. Da kann man sich eine größere Portion Neugierde erlauben. Um aber nochmals auf die Ereignisse von damals zurückzukommen...
Also plötzlich standen alle um meine Box, bzw. die von meinem Spielgefährten herum und redeten miteinander. Einen Teil der Unterhaltung konnte ich verstehen: „Verkaufen - Deutschland - Körung”. Da traf mich beinahe der Schlag. Ich hatte zwar nur ein paar Bruchstücke aufgefangen, dumm war ich aber nicht. Zudem hatte ich durch die Stalltüre, die einen Spalt weit aufstand, freien Blick auf den Hof. Dort stand ein Auto mit einem Anhänger hintendran. Da war schon mal ein Kumpel von mir reingegangen und den hatte ich danach nie mehr gesehen. Die wollten mich doch nicht etwa dort hineinverfrachten - oder doch!?
Nun wandten sich alle meinem Nachbarn zu, mir fiel ein Stein vom Herzen. Doch anscheinend hatte den jemand plumpsen hören. Schon schauten sie wieder zu mir rüber. Offenbar waren die sich nicht einig, was sie wollten. Ich beschloss, mich so klein wie möglich zu machen und stellte mich in die letzte Ecke meiner Box. Doch auch das half nichts.
Nun ging die Tür auf und herein kam der Fremde und sprach mich an. Ich verstand kein Wort, doch anscheinend wollte er mich beruhigen. Er sprach ganz behutsam und leise auf mich ein. Streckte mir seine Hand entgegen, in der ein rundes Ding lag, wie ich es noch nie gesehen hatte. Da ich, wie schon bereits erwähnt, sehr neugierig bin bzw. war, habe ich natürlich nachsehen müssen, was es war. Vorsichtig machte ich meinen Hals so lang es nur ging. Ähnlich wie bei den großen gefleckten Tieren in Afrika, die auch so lange Hälse haben. Beinahe hätte ich das Gleichgewicht verloren und wäre hingefallen. Denn meine Beine trauten sich nicht näher an den Fremden heran. Doch es reichte gerade so um an dem runden Ding zu riechen.
Es schien etwas zu fressen zu sein, also nahm ich es ganz vorsichtig zwischen die Lippen und biss ein wenig darauf rum. Das Ding war gar nicht mal so schlecht - nur etwas trocken. Plötzlich hatte der Fremde noch so ein Ding irgendwie aus seinen Taschen gezaubert. Er hielt es mir vor die Nase und ich verstand so was Ähnliches wie „Leckerlie”. Das Wort hatte ich zwar noch nie gehört - beschloss aber, mir es im Hinterkopf zu behalten. Kaum hatte ich es verdrückt, hatte er schon wieder eines in der Hand.
Ich nahm, was ich bekommen konnte und ging ein bisschen auf den Fremden zu. Er hatte eine ganze Menge von den Dingern dabei. Allmählich verlor ich auch meine Scheu - denn jemand, der einem so tolle Dinger zum Fressen gibt, kann ja so schlimm nicht sein. So nach fünf Minuten kam mein Herrchen mit einem Halfter an. Das fand ich dann gar nicht so lustig. Die Dinger kitzeln immer so schrecklich, wenn sie über die Ohren gezogen werden und dann werden die immer so eng zugemacht, dass man sie gar nicht mehr selber ausziehen kann. Aber das war denen anscheinend egal. Da ich so fasziniert von diesen „Leckerlies” war, hatte ich von dem weiteren Gespräch gar nichts mehr mitbekommen.
Mir war nur klar, dass meine Familie mich anscheinend an diesen Fremden mit den Leckerlies nach Deutschland verkauft hatte. Ich war ziemlich hin- und hergerissen. Zum einen gefiel es mir zuhause ganz gut. Ich hatte gute Freunde, ordentliches Futter und viel Weide, aber auf der anderen Seite war ich ziemlich neugierig, wie es denn woanders so aussieht und ob es dort noch mehr von diesen „Leckerlies” gibt. Im Nachhinein betrachtet war das wahrscheinlich der Hauptgrund warum ich überhaupt mitgegangen bin.
Als ein Strick an meinem Halfter befestigt wurde, beschloss ich allen Mut usammenzunehmen und das Abenteuer auf mich zukommen zu lassen. Gespannt ging ich mit kurzen trippeligen Schritten nach draußen und schaute vorsichtig in den Anhänger hinein. Dort war genügend Platz für mich, also machte ich einen großen Schritt und war schon fast ganz drin. Da packte mich kurz ein Zweifeln, ob denn meine Entscheidung auch richtig war, widerstandslos einfach so mitzugehen. Ich wieherte aus Leibeskräften, danach fühlte ich mich besser und ging in den Anhänger. Wenige Minuten später ging es dann los. Ich weiß nicht mehr, wie lange die Fahrt dauerte. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Es müssen wohl so sechs oder vielleicht auch sieben Stunden gewesen sein, bis wir endlich am Ziel ankamen. Jedenfalls war es schon dunkel und ich hatte mir meine Beine in den Bauch gestanden.
Da ich angebunden war, konnte ich den Kopf nicht ganz drehen, doch als die Klappe des Anhängers aufging, konnte ich aus den Augenwinkeln drei Leute sehen, die hinter mir standen. Der Fremde mit den „Leckerlies” war auch dabei. Er kam zu mir und gab mir noch eines, dabei murmelte er irgendwas wie „mal sehen, ob er rückwärts aus dem Hänger geht”. Ich verstand damals nicht, was es heißen sollte, das war mir auch egal, Hauptsache, ich bekam bald was zu fressen. Wie gesagt, ich war schon seit einer Ewigkeit auf diesem Hänger und außer diesen kleinen Dingern hatte ich noch nichts bekommen. Er band mich los und erzählte mir irgendwas. Ich weiß nur noch, dass ich ihn mit großen Augen anschaute und nicht wusste, was ich tun sollte. Also blieb ich einfach ruhig stehen. Ich hatte ja vier wunderschöne Beine, die alle hinunter bis zum Boden gingen. Zudem hatte ich jetzt schon so lange gestanden, da war es mir auch egal, ob ich noch ein bisschen länger stehen musste. Plötzlich kam noch eine Frau dazu, sie schaute mich kurz an, meinte irgendwas von „Der ist aber klein und schmal” und pikste mir in die Rippen. Ich zuckte zusammen und dachte, was soll das denn und schnaubte voller Unmut. Doch plötzlich glaubte ich, ich träume. „Eelke, achter!” Die Frau sprach ja holländisch! Ich konnte sie verstehen - das war ja großartig. Ich wieherte aus Leibeskräften und dachte - das hätten die ja auch gleich zu mir sagen können. Dann wäre ich direkt runtergegangen, schließlich wollte ich ja endlich was zu fressen.
Wir gingen dann in einen Stall mit vielen anderen schwarzen Pferden so wie ich. Ich war heilfroh und begrüßte sie alle einzeln. Die meisten anderen freuten sich auch mich kennen zu lernen. Leider war keine Zeit für eine große Begrüßung, denn ich kam gleich in eine Box. Die war gar nicht so übel. Viel größer als zuhause und außerdem hatte ich gleich zwei Nachbarn, daheim hatte ich nur einen.
Doch die waren mir erst mal egal. Ich hatte so einen Hunger. Glücklicherweise war in meinem Trog was drin. Zuerst schaute ich ein wenig skeptisch. Zuhause gab es immer so kleine grüne Pellets. Hier das war seltsam. Es sah fast aus wie Vogelfutter. Ich war entsetzt. Da ich aber sehr, sehr hungrig war, probierte ich ein wenig und war direkt begeistert. Es war viel besser als zuhause. Viel bunter und viel mehr verschiedene Geschmäcker. Als ich alles aufgegessen hatte, merkte ich erst, wie müde ich war. Ich beschloss mich direkt aufs Ohr zu legen und war schon bald eingeschlafen.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, bin ich erstmal sehr erschrocken. Ich dachte, die ganze Geschichte hätte ich bloß geträumt. Aber als ich mich nach links und rechts umsah, wusste ich, dass es die Realität war. Glücklicherweise gab es schon kurze Zeit später wieder etwas zu fressen, so dass ich ein wenig abgelenkt wurde.
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig. Ich bekam Unmengen an Futter und wurde morgens immer auf einen schönen großen Paddock gebracht. Ich hatte zwar keine Lust zum Laufen, aber so konnte ich wenigstens sehen, was sich da draußen so alles abspielt. Im Grunde hatte sich in meinem Leben wenig geändert. Das Futter war sogar besser geworden. Nur mit der Verständigung, dass wollte noch nicht so ganz funktionieren. Doch da war ich sehr zuversichtlich, irgendwann würde mich mein neues Herrchen schon verstehen.
So, jetzt wisst ihr, was mich nach Deutschland verschlagen hat. Ich war damals doch einige Tage sehr durcheinander. Nicht, dass es mir in meinem neuen Stall nicht gefallen hätte, doch irgendwie vermisste ich mein altes Zuhause sehr. Da konnten auch die großen Portionen von tollem Futter nicht drüber hinwegtäuschen.
(Teil 2)
Nachdem ich das letzte Mal ausführlich berichtet habe, wie ich nach Deutschland kam, erzähle ich euch heute, was mich dort so alles erwartete:
Die ersten Tage in Deutschland durfte ich mich erst einmal einleben. Nun sollte für mich der Ernst des Lebens beginnen. Was das genau für mich bedeuten sollte, war mir nicht ganz klar. Erst nachdem ich mit dem Wort „Arbeit” etwas anfangen konnte, wusste ich, was es hieß, für sein Futter etwas tun zu müssen. Die ersten Tage mit dieser Arbeit waren dann doch recht anstrengend. Wobei ich dazu sagen muss: Damals in meiner holländischen Heimat hatte ich doch ein ziemlich eintöniges Leben, zumindest im Nachhinein betrachtet. Fressen, über die Wiese laufen, in der Gegend rumschauen, fressen, und immer die gleichen Spielkameraden. Das war nun alles anders.
Ich hatte ja nichts gegen Bewegung, doch am Anfang, so an einem langen Strick immer im Kreis herum, das war dann doch nicht so toll. Es hatte aber einen großen Vorteil: Ich lernte relativ schnell die wichtigsten deutschen Begriffe, so wie „steh”, „rückwärts”, „Trab”, usw. Und wenn ich was gut gemacht hatte, bekam ich immer eine Handvoll von den „Leckerlies”, die waren wirklich toll. Das gab immer so schön viel Schaum vorm Mund und wenn ich mich dann an Herrchen gerieben hatte, sah der ganz lustig aus. Zu diesem Zeitpunkt wollte er damals nicht begreifen, dass ich ein Friese bin und nicht ein „Ferkel”, wie er mich immer danach bezeichnete. Aber er hatte ja viel Geduld mit mir, da konnte ich ihm solch kleine Fehler auch ruhig mal verzeihen.
Nun, nachdem ich meinen ersten Muskelkater nach ein paar Tagen überwunden hatte, machte es eigentlich Spaß, was wir da so an der sogenannten „Longe” alles angestellt hatten. Vor allem, wenn er mir ein paar Stangen in den Weg legte. Mit den Vorderbeinen drüber war ja kein Problem, aber hinten habe ich ja auch noch zwei Beine, aber leider keine Augen. Nach einigen Runden ging das dann aber auch. Irgendwann beschloss ich dann mit einem Riesensatz über die Stangen zu springen, dass war richtig spaßig. Hätte ich aber gewusst, was danach auf mich zukommt, hätte ich es wahrscheinlich bleiben lassen.
Mein Herrchen kam nämlich auf die Idee, ich sollte ein bisschen „Freispringen”. Ich hatte keine Ahnung, was das sein sollte - bis es zu spät war. Am nächsten Tag kam ich wie gewohnt in die Halle und da standen an der einen Seite alle möglichen Dinger rum. Genau da, wo ich normalerweise vor einem der schönen großen Spiegel immer umherlaufe. Ich lief los, bis kurz vor die ganzen Stangen und kurz vorher bin ich ganz schön erschrocken. Die lagen ja gar nicht mehr auf dem Boden! Die waren auf einmal viel höher. Mindestens 40 Zentimeter. Wie sollte ich denn da rüberkommen?
Im nächsten Augenblick wusste ich wie. Mein Herrchen kannte mich in den paar Wochen schon ganz gut, der war heimlich hinter mir hergelaufen und knallte genau in dem Moment, wo ich überlegte, was ich machen soll, mit seiner Peitsche. Vor lauter Schreck bin ich dann in einem großen Satz über die Stangen drübergesprungen und dann erst mal stehen geblieben. Ich glaube, ich muss damals ziemlich dumm geschaut haben, denn mein Herrchen kam zu mir und klopfte mir auf den Hals und meinte: „ Na Eelke, da schaust du, was?? Friesen können auch springen!” Wir veranstalteten das Ganze dann noch drei Mal und beim vierten Mal brauchte er auch gar nicht mehr mit der Peitsche zu knallen. Es war eigentlich ganz toll, viel besser als nur so im Kreis zu laufen.
Als ich damals nach Deutschland kam, war es gerade so Februar, es war meistens lausig kalt, aber zum Glück nicht so windig wie zu Hause in Holland. Da sind einem ja beinahe die Ohren abgefroren. Da war es hier doch angenehmer.
Als im April dann das Wetter besser wurde, sagte mein Herrchen zu mir: „So Eelke, heute gehen wir mal ein bisschen im Wald spazieren”. Da war ich aber mal gespannt, „Wald”, so was hatte ich noch nie gesehen, bei uns in Holland gibt es zwar auch Bäume, aber meistens nur ein paar. Aber so viele hatte ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Ich fand das am Anfang auch ziemlich unheimlich. Egal wo man hintrat, es knackste überall, dann raschelte es in jeder Ecke und dunkel war es da auch noch. Währenddessen war mein Herrchen dabei sich über mich lustig zu machen. Jedesmal, wenn ich zuckte, meinte er „Ey, wie soll denn mal ein richtiger Friesenhengst aus dir werden”. Aber ich glaube er war ganz froh mit mir, als wir nach zwei Stunden nämlich wieder nach Hause kamen, berichtete er im Stall, dass ich ganz anständig gewesen wäre und hat denen auch nicht erzählt, das ich so ein bisschen Angst hatte. Das fand ich schon gut, muss ja nicht jeder wissen.
Mein Herrchen war schon gut. Er hat mich oft in Schutz genommen, vor allem bei dem Mann der immer an meinen Hufen rumgeschnipselt hat. Die ersten paar mal fand ich das nämlich gar nicht lustig. Ewig lange auf drei Beinen stehen, dann haut er mit `nem Hammer und so einem anderen Ding an meinen Hufen rum, doch kein Wunder wenn man zuckt. Mein Herrchen hatte dafür Verständnis, bloß der Schmied nicht.
So gingen die Tage ins Land, ich lernte an der Longe zu laufen, Freispringen, sog. Bodenarbeit und noch einiges mehr. Doch vor allen Dingen lernte ich, dass, wenn ich brav und fleißig bin, es dann meistens eine Belohnung gibt. Inzwischen war ich noch ein schönes Stückchen gewachsen und auch ein paar Kilo schwerer geworden. Für meine Begriffe sah ich, so im Vergleich zu den anderen, die da links und rechts neben mir standen, gar nicht mal so schlecht aus. Vor allem war meine Mähne viel länger als bei vielen anderen - da war ich schon immer sehr stolz drauf, das war auch in Holland schon so, auf der Weide.
Eines Tages kam mein Frauchen zu mir in die Box. Mit ihr hatte ich nur selten was zu tun, dann, wenn mein Herrchen nicht konnte. Sie war immer ziemlich streng mit mir und sagte immer, ich sei ein „Flegel”, nur weil ich nicht nach ihrer Nase tanzte. Ich fand, dass ich brav war, ich ging artig neben ihr her, schaute nicht links und nicht rechts, kam vom Paddock gelaufen, wenn sie mich rief, nur mit dem Stillstehen, da hatte ich es nicht so. Ich fand das nicht so schlimm, mein Herrchen auch nicht. Bei dem stand ich auch immer still. Bei dem war es einfacher. Er sagte „Ho” oder „Steh”, dann durfte ich mich noch schnell so drehen wie es mir am besten gefiel. Doch bei Frauchen musste ich immer ganz genau in einer Richtung stehen und die Beine ganz ordentlich halten.
Nun ja, ich wollte ja eigentlich was ganz anderes erzählen. Jedenfalls, Frauchen kam zu mir in die Box und hatte so ein seltsames Ding, das sie „Sattel” nannte, unter dem Arm. Sie ließ mich daran schnuppern und sagte mir, dass ich still stehen sollte, was mir diesmal wirklich schwerfiel, ich wollte doch den Sattel anschauen und dann merkte ich auf einmal etwas Seltsames an meinem Rücken. Mir stellten sich alle Haare zu Berge, es war ein ganz komisches Gefühl. Plötzlich war da auch noch etwas an meinem Bauch. Ich war ganz überrascht und bewegte mich ausnahmsweise keinen Millimeter. Da meinte mein Frauchen zu mir: „Du kannst ja auch mal still stehen, das ist ja was ganz Neues, so ist er ganz braaaav”.
Dann gab es einen kurzen Ruck und ich fühlte mich ziemlich eingeengt, so um den Rücken und den Bauch. Sie zog mir noch eine Trense auf und nahm mich dann mit nach draußen. Das war schon ein komisches Gefühl, es zwickte irgendwie und dann knirschte der Sattel auch noch bei jedem Schritt. Als wir in der Halle angekommen waren, ließ sie mich direkt ein bisschen laufen. Ich rannte los und probierte den Sattel loszuwerden. Ich sprang mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe, buckelte und probierte alles Mögliche, aber das Ding saß wie angeklebt an mir. So ein Mist, dachte ich für mich. Von Frauchen hörte ich nur: „Das kann ja lustig werden, der buckelt ja wie ein Rodeopferd”.
Ich fand das gar nicht lustig, ich wollte den Sattel wieder los werden. Nach so zwei, drei Minuten rief sie mich und nahm mich dann an die Longe. Vor lauter im Kreis rumlaufen habe ich dann vergessen, dass ich den Sattel auf dem Rücken hatte, den hatte ich erst wieder bemerkt, als wir mit dem Longieren fertig waren und sie ihn auf einmal von meinem Rücken nahm. Was war das für ein angenehmes Gefühl, endlich wieder normal atmen zu können.
Das Spielchen ging nun zwei Wochen lang so. Mal kam mein Herrchen mit dem Sattel, mal mein Frauchen. Ich hatte es ziemlich schnell aufgegeben mit den Versuchen den Sattel loszuwerden. Jedesmal, wenn ich ihn ein bisschen losgewackelt hatte, wurde der nämlich noch ein bisschen enger angezogen. Also fügte ich mich meinem Schicksal. Zudem, er war ja auch nicht besonders schwer und an das Drücken hatte ich mich eigentlich auch schnell gewöhnt, das war mehr ein Wettstreit zwischen meinem Ego und dem Sattel. Nun, der Sattel hat gewonnen.
Dann kam ein Tag, ich werde ihn nie vergessen, an dem Frauchen und Herrchen beide mit dem Sattel zu mir kamen. Das war neu. Normalerweise kam immer nur einer. Es war die übliche Prozedur, Sattel auf, Trense auf, raus in die Halle, ein paar Runden so laufen, Sattel noch ein bisschen fester ziehen und ein paar Minuten an die Longe. Das Neue kam jetzt. Ich dachte schon es ging wieder in die Box, doch dann nahm mich Herrchen an die Longe, erzählte mir alles Mögliche und redete ganz viel mit mir.
Ich verstand kaum ein Wort. Er sprach ganz langsam und leise mit mir, gerade so, als wollte er mir ein Geheimnis verraten. Ich konzentrierte mich unheimlich darauf ihm zuzuhören, während Frauchen auf der anderen Seite irgendeinen Blödsinn veranstaltete. Sie zog an dem Sattel rum, hängte sich an den Sattel und wackelte herum, als wenn sie was Besonderes vorhätte. Da Herrchen aber immer noch erzählte, hatte ich keine Zeit auf sie zu achten. Bis auf den Moment wo sie auf einmal weg war.
Ich konnte das nicht fassen, eben war sie noch neben mir, jetzt war sie weg. Dafür war der Sattel unglaublich schwer geworden. Herrchen sprach immer noch zu mir, als wenn er gar nichts mitbekommen hätte. Aber das muss er doch merken, wenn Frauchen weg ist! Ich wieherte ganz laut, damit er mal schaut, aber das interessierte ihn gar nicht. Er sagte nur: „Ganz ruhig Eelke, es ist alles gut!” Auf einmal hörte ich die Stimme von meinem Frauchen, irgendwo von hinten oben.
Ich wollte mich umdrehen um nachzuschauen, wo denn die Stimme herkommt, aber das war gar nicht mal so einfach, mit dem schweren Sattel. Ich lief nun einfach los. Mein Herrchen rief „Ho”, doch irgendwie wollte das nicht so ganz klappen mit dem Stehenbleiben. Da war ein ganz schöner Druck im Kreuz. Ich wurde ein bisschen langsamer, da hörte ich mein Frauchen sagen „ganz ruhig”. Ich war überrascht, und blieb abrupt stehen.
Wie konnte die Stimme von so nah herkommen, ich bin doch ein ganzes Stück gelaufen und trotzdem ist alles so nah. Plötzlich fühlte ich eine Hand an meinem Hals. Ich erschrak und zuckte zusammen, aber ich erkannte die Hand von meinem Frauchen. So fuhr nur sie über meinen Hals. Auf einmal ging mir ein Licht auf. Mein Frauchen war auf mir! Deshalb war der Sattel so schwer. Ich drehte den Kopf ganz weit rum - und tatsächlich. Da war der Fuß von meinem Frauchen, direkt vor meiner Nase und als ich ein bisschen nach oben schielte, konnte ich sie sehen. Das war ja ein Ding. Mein Herrchen hatte mir allen möglichen Quatsch ins Ohr geflüstert, damit Frauchen auf meinen Rücken klettern kann. Sowas Hinterhältiges!!
Sie sprach jetzt ganz viel und ganz ruhig mit mir. Ich war zwar mit meinen Gedanken ganz woanders, denn mich interessierte doch, was das alles werden sollte - denn ich hatte keine Ahnung. Nach kurzer Zeit drückte sie mit ihren Beinen an meinen Bauch - das kitzelte ein bisschen und ich ging zwei drei Schritte - da sprach sie ganz freundlich mit mir, ich solle weitergehen.
Also trabte ich ganz gemütlich los. Wobei ich echt Probleme hatte geradeaus zu laufen. Ich weiß nicht, wie schwer Frauchen ist, aber damals kam es mir verdammt viel vor. Ich eierte ganz schön in der Gegend rum. Nach ein paar Runden war es dann auch besser, ich hatte mich ein wenig daran gewöhnt. Nur mein Frauchen war sich anscheinend nicht ganz einig, was sie mit mir anfangen sollte - sie lobte mich zwar viel, aber immer wenn ich stehen bleiben wollte, wurde sie in meinem Rücken schwerer, so dass ich gar nicht stehen bleiben konnte und weiter laufen musste.
Es machte mir zwar nichts aus, in der Halle umherzulaufen; bloß wenn man aufpasst, dass man nirgendwo dagegenläuft oder stolpert, hat man keine Zeit nachzudenken - und ich war immer noch nicht dahinter gekommen, was das ganze Spielchen sollte. So trabte ich Runde um Runde durch die Halle, zwischendurch immer ein paar Meter im Schritt. So nach 10 Minuten hielten wir dann auf Herrchen zu, der die ganze Zeit über ruhig in der Mitte gestanden hatte. Ich war ziemlich froh, blieb freudig neben ihm stehen - schon alleine deshalb, weil ich gesehen hatte, dass er mit der linken Hand in seine Tasche griff (das macht er nur, wenn er Leckerlies holt - wenn er etwas zum Schreiben oder was anderes braucht, greift er nämlich in die rechte Tasche). Und siehe da, es gab eine ganze Hand voll!!! Das war echt gut. Plötzlich war Frauchen wieder neben mir, ich hatte gar nicht gemerkt, wie sie von mir runtergekommen war. Sie kam zu mir, gab mir auch ein Leckerlie (das kam wirklich selten vor) und meinte zu Herrchen: „Er lernt echt schnell”. Natürlich lerne ich schnell, dachte ich so für mich. Erstens bin ich nicht blöd, zweitens gab es ja immer was zu fressen, wenn ich gut war. Das war ja schon Motivation genug.
Am nächsten und übernächsten Tag war leider nur Paddock angesagt. Ich finde das immer ziemlich langweilig. Okay - die ersten 10 Minuten sind gut. Da kann man mal so richtig losdüsen, nachdem man sich stundenlang die Beine in den Bauch gestanden hat. Aber irgendwann wird es dann doch langweilig. Es sei denn - die Mädels stehen einen Paddock weiter - da könnte ich auch ein paar Geschichten schreiben.
Das mit dem Reiten klappte dann drei Tage später schon ganz gut, von Mal zu Mal wurde ich besser, mittlerweile kann ich schon eine ganze Menge.
Hatte ich eigentlich schon erzählt, dass ich in Leeuwarden auf der Körung war? Nein? Gut, dann hebe ich mir das für ein anderes Mal auf.
Bis bald!
Eelke van Welgelegen
|